Einleitung
In diesem Modul lernen Sie etwas über die Rahmenbedingungen der Offenen
Ganztagsschule. Überlegen wir zuerst, welchen Stellenwert die Kenntnis von
Rahmenbedingungen in Ihrer Qualifikation hat.
Wenn Sie an der OGS arbeiten, steht zunächst einmal die pädagogische Arbeit mit den
Kindern im Mittelpunkt: Es ist wichtig, dass die Pädagogischen Betreuerinnen und
Betreuer über Haltungen und Methoden verfügen, die dazu führen, dass die Kinder sich
wohlfühlen und interessante Bildungsprozesse machen können.
Daher sind diese Themen ein wichtiger Bestandteil des Kurses und werden in den
Modulen 2 – 10 behandelt.
💡Um in diesem Beruf erfolgreich zu sein, gehört aber noch ein weiteres
Thema dazu. Pädagogische Betreuerinnen und Betreuern sollten auch die
Rahmenbedingungen und Hintergründe ihrer Arbeit kennen. Dies ist genauso
bedeutend, wie die eigentliche pädagogische Arbeit. Es gehört zu einer guten
Berufsbildung dazu, zu wissen, wo man arbeitet und wie die Einrichtung, wo man
tätig ist, einzuordnen ist. Um dieses Thema geht es in diesem Modul.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
Rahmenbedingungen der OGS
!?️Beschäftigt man sich mit den Rahmenbedingungen der OGS, dann stellen
sich z.B. folgende Fragen:
● Welche gesellschaftlichen Aufgaben hat eine OGS, warum gibt es sie überhaupt?
● Was genau ist der Auftrag der OGS, woran orientiert sie sich, welche Ziele hat sie?
● In jeder OGS gibt es eine eigene Konzeption für die pädagogische Arbeit – was
genau ist diese Konzeption und welche Rolle spielt sie in der alltäglichen Arbeit?
● Welche Institution ist eigentlich verantwortlich für die OGS, also wer organisiert das
alles und bei wem ist das Personal beschäftigt – hier geht es um den Träger der
OGS?
● Welche Rolle hat eigentlich eine Pädagogische Betreuerin bzw. Betreuer, was
genau gehört zu ihren bzw. seinen Aufgaben?
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
Arbeitet man an der OGS ist es nämlich von großem Vorteil, seine Rollen und damit seine
Kompetenzen und Aufgaben genau zu kennen. Die Arbeit kann dann bewusster
geschehen und das ist gut für die Qualität und die eigene Zufriedenheit.
!?️ Aber auch:
Was bedeutet es, im Team zu arbeiten und wie läuft die Arbeit im Team ab?
Lektion 1
Offene Ganztagsschule: Auftrag und
gesellschaftspolitische Hintergründe
Die Offene Ganztagsschule (OGS) ist ein Betreuungsangebot für Grundschulkinder, das
zeitlich gesehen außerhalb des Schulunterrichts vor allem am Nachmittag stattfindet. Das
Angebot für die Schülerinnen und Schüler beinhaltet Mittagessen,
Hausaufgabenbetreuung, Freispielzeit und Freizeit-, Sport- und Kulturangebote. Oftmals
bieten Offene Ganztagsschulen auch eine Frühbetreuung vor dem Unterrichtsbeginn an.
In diesem Rahmen können die Kinder auch an einem Schulfrühstück teilnehmen.
In einigen Fällen hat die OGS ein eigenes Gebäude in unmittelbarer Nähe der
Grundschule: in vielen Fällen ist sie in das Gebäude der Grundschule integriert und nutzt
dort einen anderen Gebäudeteil.
Hat eigentlich jede Grundschule eine OGS? Es gibt jedenfalls sehr viele
Grundschulen, an denen die Kinder auch ein Nachmittagsangebot wahrnehmen
können! Und wie viele sind es nun?
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
Die Anzahl der Grundschulen in ganz Deutschland, die mit einer Offenen Ganztagsschule
verbunden sind, ist hoch. 71,2 % der Grundschulen in Deutschland haben einen
Ganztagsbetrieb. In Deutschland gibt es übrigens 15510 Grundschulen (Stand: Schuljahr
2022/23) Ganztagsschulen gibt es nicht nur im Zusammenhang mit Grundschulen,
sondern auch in Schulen der Sekundarstufe 1, also von der Klasse 5 – 10 an Realschulen,
Gymnasien und Gesamtschulen. Die Grundschule nennt man im Gegensatz zur
Sekundarstufe auch “Primarstufe”. Der Anteil der Schulen, die eine ganztägige Betreuung
von Schülerinnen und Schülern ermöglichen, ist von Bundesland zu Bundesland
unterschiedlich. So haben in Nordrhein-Westfalen mehr als 90% der Grundschulen eine
Offene Ganztagsschule, in Niedersachsen sind es 69% und in Bayern sind es 72%. Eine
weitere wichtige Zahl ist die sogenannte Ganztagsquote. Bei dieser Quote wird berechnet,
wieviel Prozent der Grundschüler das Ganztagsangebot in Anspruch nehmen. In ganz
Deutschland besuchen etwa 50% der Grundschüler ein Ganztagsangebot, in Bayern 17,5
und in Hamburg 99%. Die Nachfrage nach Plätzen an der Offenen Ganztagsschule steigt
weiter an, so dass die bestehenden Kapazitäten noch erhöht werden.
Eine Übersicht über die Ganztagsquote in den verschiedenen Bundesländern bietet
diese Übersicht:
⬇️ Klicken Sie unten auf den Link. ⬇️
🔗 🛜Link: Ganztag an Grundschulen nach Bundesländern 2022 | Statista
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
Zentrale Grundgedanken und der Auftrag der OGS
Die Offene Ganztagsschule hat zwei zentrale Grundgedanken: Zum einen sollen die Eltern
Beruf und Kindererziehung besser miteinander vereinbaren können. Die Kinder sind bei
dem Ganztagsangebot typischerweise bis 15 Uhr bzw. bis 16 Uhr in der OGS. An vielen
OGS gibt es zusätzlich eine Spätbetreuung für die Kinder, zumeist bis 17 Uhr, das kann
aber von OGS zu OGS unterschiedlich sein. Nach der Betreuungszeit werden die Kinder
von ihren Eltern abgeholt. Diese können also beruflichen Tätigkeiten nachgehen und
wissen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind und pädagogisch gefördert werden.
Betrachtet man die OGS in einem größeren geschichtlichen Zusammenhang, so ist sie
auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung. Die traditionelle Halbtagsschule, die
keine Nachmittagsbetreuung bot, basierte auf dem Rollenbild, dass der Vater arbeitet,
während die Mutter als Hausfrau die Kindererziehung übernimmt. Doch mit dem Wandel
der Gesellschaft, in der heute meist beide Elternteile berufstätig sind, ist die
Ganztagsschule zu einer unverzichtbaren Institution geworden.
Der andere Grundgedanke ist die Verwirklichung der Chancengleichheit.
Chancengleichheit bedeutet, dass alle Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht,
sozialem Status, Religion, Behinderung oder anderen persönlichen Merkmalen die
gleichen Möglichkeiten haben, ihre Fähigkeiten und Potenziale zu entfalten und an
gesellschaftlichen Prozessen teilzuhaben. Es geht darum, dass jeder und jede die
gleichen Startbedingungen hat, um persönliche und berufliche Ziele zu erreichen. Hier
kann die OGS einen wichtigen Beitrag leisten, da sie unabhängig von den
unterschiedlichen Ressourcen und Bildungskulturen in den Herkunftsfamilien alle
Schülerinnen und Schüler mit ihren Angeboten erreicht.
Bestimmte Bildungsbereiche lassen sich in der Offenen Ganztagsschule besonders gut
bearbeiten. Es gibt keine Noten, die Angebote funktionieren nur, wenn die Schülerinnen
und Schüler Freude daran haben. Durch Freiwilligkeit und Selbsttätigkeit kann das
Gelernte besonders wirksam verinnerlicht werden. Themen wie Sprachförderung,
musikalische Bildung, soziale Kompetenzen, Umweltpädagogik werden im Zuge
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
interessanter Projekte behandelt und ausgehend von der inneren Motivation der
Schülerinnen und Schüler. Die Bildung
schancen in Deutschland sind ungleich verteilt. Die
soziale Herkunft und die Frage, ob ein Kind Migrationshintergrund hat oder nicht,
entscheidet immer noch über den Bildungserfolg. Für bestimmte Gruppen besteht im
Bildungssystem also eine Benachteiligung. Die Offene Ganztagsschule kann alle Kinder
gut fördern und es stehen hier viele verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.
💡Die OGS kann also einen Beitrag für die Erhöhung der
Chancengleichheit im Bildungssystem leisten.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
Betreuung, Erziehung und Bildung – die drei Grundaufgaben der
OGS
Die pädagogische Praxis in der OGS orientiert sich an drei Aufgabenbereichen: Bildung,
Erziehung und Betreuung. Die OGS hat den Auftrag, in allen drei Bereichen tätig zu sein.
Schauen wir uns zunächst die Definitionen an.
Betreuung, Erziehung und Bildung sind zentrale Begriffe in der pädagogischen Arbeit
und beschreiben unterschiedliche Aspekte der Förderung und Unterstützung von Kindern
und Jugendlichen. Hier eine Definition und Abgrenzung der Begriffe:
Betreuung
● Definition: Betreuung bezieht sich auf die Aufsicht und Versorgung von Kindern
und Jugendlichen, um deren Sicherheit, Wohlbefinden und Grundbedürfnisse zu
gewährleisten.
● Ziel: Sie stellt sicher, dass Kinder in einer geschützten und stabilen Umgebung
sind, wo ihre körperlichen und emotionalen Bedürfnisse erfüllt werden.
● Merkmale: Betreuung umfasst Aspekte wie Ernährung, Hygiene, Sicherheit, sowie
das Bereitstellen eines strukturierten Tagesablaufs. Es handelt sich um die
Grundversorgung, ohne direkte pädagogische oder moralische Zielsetzungen.
● Abgrenzung: Sie konzentriert sich primär auf das körperliche und emotionale
Wohlbefinden, ohne den Fokus auf die Entwicklung von Verhaltensweisen oder
kognitiven Fähigkeiten zu legen.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
💡Beispiele
● Die Kinder, die um 7:30 Uhr zur Frühbetreuung vor dem Schulunterricht kommen,
erhalten ein gesundes Frühstück und nutzen dafür einen gemütlichen
Frühstücksraum.
● Beim Ausflug in das nahe gelegene Waldstück achten die Pädagogischen
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf, dass alle Kinder eine warme Jacke
anziehen.
● Die Pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter achten darauf, dass beim
Freispiel keine Gefährdungssituationen auftreten, damit alle Kinder in Sicherheit
spielen können.
Erziehung
● Definition: Erziehung umfasst die bewusste Einflussnahme auf das Verhalten, die
Werte und die soziale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Es geht darum,
sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen und ihnen gesellschaftliche
Normen und moralische Werte zu vermitteln.
● Ziel: Die Erziehung zielt darauf ab, Kindern und Jugendlichen Orientierung im
sozialen Zusammenleben zu geben und sie zu selbstständigen,
verantwortungsbewussten und moralisch handelnden Menschen zu formen.
● Merkmale: Hierbei spielen Wertevermittlung, Charakterbildung, Sozialverhalten und
emotionale Entwicklung eine Rolle. Erziehung umfasst das Setzen von Grenzen,
die Förderung von Empathie und das Lehren von Disziplin.
● Abgrenzung: Im Gegensatz zur Betreuung hat Erziehung eine normative und
wertorientierte Komponente, die sich nicht nur auf das unmittelbare Wohlbefinden
konzentriert, sondern auf langfristige soziale und moralische Ziele.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
💡Beispiele
● Während der Freispielphase hält sich eine Gruppe von Kindern regelmäßig in
einem attraktiven Bereich auf einer Grünfläche auf. Nun wollen dort auch andere
Kinder spielen. Es kommt zum Konflikt und einige Kinder beleidigen sich
gegenseitig. Sie sehen diese Szene. Nach der Freispielzeit üben Sie mit den
Kindern, den Standpunkt anderer zu verstehen und besprechen, wie man Konflikte
friedlich löst.
● Das Ballspielen im Flur ist nicht erlaubt. Zwei Kinder spielen dort trotzdem Fußball.
Sie untersagen den Kindern das Ballspiel und machen auf die Regel, die die Kinder
kennen, aufmerksam. Sie besprechen mit den Kindern, warum diese Regel sinnvoll
ist.
● Im PC-Raum dürfen die Kinder Computerspiele machen, aber nicht mehr als 20
min. Nachdem einige Kinder die Zeit deutlich überzogen haben, weisen sie die
Kinder auf die Regel hin und erklären ihren Sinn.
Bildung
● Definition: Bildung bezieht sich auf den Prozess des Erwerbs von Wissen,
Fähigkeiten und Kompetenzen, die es dem Individuum ermöglichen, die Welt zu
verstehen und in ihr aktiv zu handeln. Bildung fördert intellektuelle, kulturelle und
berufliche Kompetenzen.
● Ziel: Das Ziel der Bildung ist die kognitive Entwicklung und das Verstehen von
Zusammenhängen in unterschiedlichen Bereichen wie Naturwissenschaften, Kultur,
Technik oder Gesellschaft. Bildung zielt darauf ab, Menschen zu mündigen und
wissende Individuen zu machen.
● Merkmale: Bildung umfasst schulisches Lernen, Wissensvermittlung, Förderung
von Kreativität, kritisches Denken und Problemlösungsfähigkeiten. Sie geht über
das bloße Vermitteln von Fakten hinaus und fördert ein umfassendes Verständnis
von Welt und Gesellschaft.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
● Abgrenzung: Während Betreuung und Erziehung sich stärker auf das soziale und
emotionale Wohlbefinden und Verhalten konzentrieren, steht bei der Bildung die
intellektuelle und fachliche Entwicklung im Vordergrund.
✅ Zusammengefasst lässt sich sagen:
Beispiele
● Zwei Kinder entdecken auf dem Außengelände einen Regenwurm und sprechen
darüber. Sie sind sehr fasziniert. Sie stellen den Kindern Fragen über
Ernährungsweise, Verhalten und ökologische Bedeutung des Regenwurms. Die
Kinder stellen eigene Thesen auf und spekulieren über die Antworten. Als die
Kinder wieder im Betreuungsraum sind, stellen sie ihnen ein Bilderbuch über das
Leben von Richard Regenwurm zur Verfügung, in welchem deutlich wird, dass
Regenwürmer herabgefallene Blätter essen, verdauen und zum Entstehen frischer
Erde (Humusbildung) beitragen. Mehrere Kinder umringen das Bilderbuch und
lesen gemeinsam. Sie fragen die Kinder, ob sie gerne ein Projekt zum Thema
Regenwürmer machen würden.
● In Ihrer OGS-Kindergruppe sind Schülerinnen und Schüler mit verschiedener
kultureller Herkunft. Die Kinder kommen über das Thema Religion ins Gespräch.
Ein Kind erzählt von seiner Religion, die anderen Kinder kennen diese Religion
nicht. Sie schlagen den Kindern vor, ein Projekt zu machen, bei dem sich die
Kindergruppe mit den Religionen beschäftigt, die im Stadtteil präsent sind. Auch die
Eltern sind eingeladen, um zu kooperieren. Das Projekt enthält auch Besuche der
verschiedenen Gebetshäuser Religionen. Die Kinder erstellen Plakate zu den
Themen, die sie gelernt haben.
● Beim Verlassen der Räume macht ein Kind den Lichtschalter aus und sagt: “Wir
müssen Strom sparen, weil das gut für die Umwelt ist.” Ein anderes Kind fragt
nach, warum das so ist. Ein weiteres Kind möchte wissen, wie Strom überhaupt
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
erzeugt wird. Das erste Kind sagt, dass man mit der Sonne ganz umweltfreundlich
Strom erzeugen kann. Sie fragen die Kinder, ob si
e gerne mal ausprobieren
möchten, mit Sonne Strom zu erzeugen. Die Kindergruppe bejaht dies. Sie
stimmen sich mit der Grundschullehrerin für Sachkunde ab und bereiten ein
dreitägiges Projekt für den Nachmittagsbereich vor, bei dem die Kindergruppe, die
sie betreuen, mit Solarmodulen für Kinder experimentiert und die Eigenschaften von
Solarzellen erforscht. Anschließend erstellen die Kinder eine Ausstellung.
✅ Und hier nochmal eine Kurze Zusammenfassung der drei pädagogischen
Grundaufgaben:
● Betreuung sichert das Wohlbefinden,
● Erziehung fördert die moralische und soziale Entwicklung,
● Bildung unterstützt die intellektuelle und fachliche Kompetenz.
!!️Wichtig:
Die OGS hat also nicht nur einen Betreuungs- und Erziehungsauftrag, sondern
auch einen Bildungsauftrag! Die Kinder werden also gezielt gefördert, ihre
Kompetenzen werden herangebildet. Sie werden während der Arbeitszeit der Eltern
also nicht nur betreut und erzogen, sondern sie haben die Möglichkeiten an
anspruchsvollen Bildungsprozessen teilzuhaben. Gerade dieser letzte Punkt ist
zunehmend in der öffentlichen Diskussion über die OGS präsent.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
Auftrag der OGS – Zusammenfassung
Die OGS hat also einen vielfältigen Auftrag, der über die pädagogischen Ziele der reinen
Unterrichtszeit an der Grundschule hinausgeht. Sie bietet den Schülerinnen und Schülern
eine strukturierte Betreuung und sinnvolle Freizeitgestaltung nach dem regulären
Unterricht. Zu ihren zentralen Aufgaben gehören.
Zusätzlich zu den bereits dargestellten Aufträgen der OGS ergänzen wir hier noch
einige:
1. Verbesserung der Vereinbarung von Familie und Beruf – Die OGS bietet
Berufstätigen eine verlässliche Betreuung und entlastet die Eltern bei der
Organisation des Alltags.
2. Bildungsauftrag: Außer Betreuung und Erziehung hat die OGS einen expliziten
Bildungsauftrag. Sie soll die Schülerinnen und Schüler durch ganzheitliche und
offene Lernformen inhaltlich und hinsichtlich der sozialen Kompetenzen bilden.
3. Gesellschaftliche Integration: Die OGS fördert die gesellschaftliche Integration,
indem sie ein inklusives Umfeld schafft und die Schülerinnen und die sozialen
Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler stärkt.
4. Ernährung und Gesundheit: Sie sorgt für eine ausgewogene Ernährung und eine
gesunde Lebensweise, indem sie warme Mahlzeiten und Bewegung anbietet.
5. Chancengleichheit: Die OGS fördert Chancengleichheit, indem sie Kindern
unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft eine ganztägige Betreuung,
Bildung und individuelle Förderung ermöglicht, was berufstätige Eltern entlastet und
Bildungsungleichheiten reduziert.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
6. Die OGS öffnet sich ihrer sozialen Umwelt und kooperiert mit anderen
Einrichtungen. Sie orientiert sich also beispielsweise auch auf den Stadtteil, in dem
sie sich befindet und bezieht die Lebenswirklichkeit der Kinder mit ein.
⭐Dieses Thema wird in Lektion 2 genauer besprochen.
Offener und gebundener Ganztag – was ist der Unterschied?
Möchte man sich über Hintergründe zur Offenen Ganztagsschule informieren, so ist es
wichtig, den Unterschied von offenem und gebundenem Ganztag zu kennen. Offener
Ganztag bedeutet, dass der Besuch des Nachmittagsbereichs freiwillig ist. Die Eltern
können ihre Kinder zusätzlich zum Grundschulunterricht an der OGS anmelden. Dafür
müssen sie sich für einen OGS-Platz anmelden.
💡Eine Sache ist in diesem Zusammenhang aber sehr wichtig:
Sind die Kinder einmal für ein Schuljahr angemeldet, so müssen sie auch
verpflichtend am Nachmittagsangebot teilnehmen. Sie können dann nicht einfach
von den Eltern ohne Grund früher abgeholt werden, wenn sie einmal spontan mehr
Zeit haben. Die Kinder müssen – damit der Ablauf in der OGS nicht gestört wird –
die vereinbarte Betreuungszeit einhalten.
Im gebundenen Ganztag erstreckt sich der reguläre Unterricht für alle Schülerinnen und
Schüler verpflichtend bis in die Nachmittag hinein. Freizeit- und Kulturangebote und
andere freiwillige Angebote, wie Arbeitsgemeinschaften, sind dabei fester Bestandteil der
Schulstruktur.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
Geschichte der OGS
Die Anfänge der OGS lassen sich bis in die 1970er Jahre zurückverfolgen. Damals
entstanden in einigen Bundesländern erste Ganztagsangebote an Schulen. In den
folgenden Jahrzehnten wurden die OGS-Modelle weiterentwickelt und ausgebaut, um den
wachsenden Anforderungen an Bildung und Betreuung gerecht zu werden. Heute ist die
OGS ein etabliertes Bildungsangebot, das die Schullandschaft in Deutschland bereichert.
💡Die Offene Ganztagsschule erfüllt eine wichtige gesellschaftliche
Funktion, indem sie Bildung, Betreuung und soziale Integration miteinander
verknüpft. Ihr Auftrag und ihre Bedeutung sind im gesetzlichen Kontext
verankert und spiegeln die gesellschaftspolitischen Entwicklungen wider.
Die Entwicklung der OGS in Deutschland – Ein kurzer geschichtlicher Abriss
verschafft einen Eindruck von der wachsenden Bedeutung der OGS
Die Entwicklung der OGS in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten eine erhebliche
Transformation durchlaufen. Hier ist eine beschreibende Darstellung der Entwicklung:
Frühe 1970er Jahre: Die Idee von Ganztagsbetreuungseinrichtungen an Schulen begann
in den 1970er Jahren in Deutschland aufzukommen. Zu dieser Zeit gab es erste
Experimente mit Horten und Ganztagsangeboten, die jedoch noch nicht flächendeckend
verbreitet waren.
1980er Jahre: In den 1980er Jahren wurden einige Schulen als Ganztagsschulen geführt,
aber das Konzept war noch nicht weit verbreitet. Es gab noch keine einheitliche Struktur
oder Finanzierung für die OGS.
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Modul 1 – Rahmenbedingungen der OGS
Lektion 1 – Offene Ganztagsschule: Auftrag und gesellschaftspolitische Hintergründe
1990er Jahre: In den 1990er Jahren begann die politische Diskussion über die Bedeutung
von Ganztagsbetreuung an Schulen zu wachsen. Einige Bundesländer führten
Pilotprojekte ein, um die Machbarkeit und den Nutzen von Ganztagsschulen zu erproben.
2000er Jahre: Der Ausbau der OGS nahm in den 2000er Jahren an Fahrt auf. Von 2003
bis 2009 wurden im Rahmen des Investitionsprogramms “Zukunft Bildung und Betreuung”
vier Milliarden Euro investiert, um den flächendeckenden Ausbau von Ganztagsschulen
und die Verbesserung der Qualität der Betreuung zu fördern. Es gab erhebliche finanzielle
Investitionen in den Ausbau von Räumlichkeiten und die Einstellung von pädagogischem
Personal.
2010er Jahre: Die OGS hat sich in den meisten Bundesländern etabliert und ist zu einem
wichtigen Bestandteil des deutschen Bildungssystems geworden. Die Nachfrage nach
OGS-Plätzen stieg stetig, und es gab verstärkte Bemühungen, die Qualität der Betreuung
zu sichern. Die OGS entwickelte sich zu einem wichtigen Element der
Bildungsgerechtigkeit, da sie auch Schülerinnen und Schülern mit eher “bildungsferner”
Herkunft ergänzend zum Unterricht an der Grundschule vielfältige Förder- und
Bildungsangebote machen kann.
2020er Jahre: Die OGS bleibt ein integraler Bestandteil des deutschen Bildungssystems.
Sie unterstützt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und bietet den Schülern vielfältige
Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten. Die Betreuungsangebote werden weiter ausgebaut,
um den sich ändernden B
edürfnissen der Schüler und Familien gerecht zu werden.
💡 Insgesamt hat die Entwicklung der OGS in Deutschland dazu
beigetragen, die Bildungschancen zu erhöhen, die Vereinbarkeit von Familie
und Beruf zu fördern und den Schülern eine breite Palette von Bildungs- und
Freizeitmöglichkeiten zu bieten. Die OGS hat sich von einem Randphänomen
zu einem wesentlichen Bestandteil des deutschen Bildungssystems
entwickelt.